Musik Akademie Basel
Fachhochschule Nordwestschweiz - Hochschule für Musik
JAZZCAMPUS

Dozierende

Andy Scherrer
Andy Scherrer by Bernhard Ley

Andy Scherrer

Saxophon

Bescheidenheit und Hingabe

„Bescheidenheit und Hingabe“ – so überschrieb Peter Rüedi sein Porträt Andy Scherrers in „Musiktraumzimmer“, dem Magazin zum neuen Jazzcampus. Bescheiden als Mensch und Gegenüber, in seiner Art, wie er uns begegnet. Hingebungsvoll in seiner Musik und als einer der imposantesten Tenorsaxophonisten unserer Zeit, der einst mit Dexter Gordon, Woody Shaw, Benny Bailey, Mel Lewis, Gary Burton, Cedar Walton und Abdullah Ibrahim auf der Bühne stand, aber – für Junge heute kaum denkbar – erst mit fünfzig seine erste Platte als Leader realisierte.

Andy Scherrer zählt mit George Gruntz, Pierre Favre, Daniel Humair, Irène Schweizer und Franco Ambrosetti zu den international ersten und bedeutendsten Jazzgrössen der Schweiz. 1991 holte ihn Mathias Rüegg in sein Vienna Art Orchestra, von dem zahlreiche Aufnahmen und Erinnerungen übrig geblieben sind, das ansonsten aber bloss noch Legende ist. Und auch Gruntz, der andere grosse Schweizer Bandleader, mochte später in seiner Concert Jazz Band, die vorwiegend aus US-Stars und lauter Solisten bestand, nicht auf das schnörkellose, sehr lyrische Spiel des „stillen Giganten“ (SRF-2) mit dem wunderbar eigenen Ton verzichten.

Mit dem Saxophon angefangen hat der aus dem Glarnerland stammende Andy autodidaktisch, doch mit 27 ging er zu Ivan Roth an die Musik-Akademie der Stadt Basel und später an die Swiss Jazz School in Bern. Dort übernahm er 1975 selbst einen Lehrauftrag und gab sein Wissen nicht nur Generationen von Saxophonisten, darunter Roman Schwaller,  Daniel Blanc, Domenic Landolf und Donat Fisch weiter:  „Für alle, die zwischen 1970 und 2010 diese Schule absolvierten, war er ‚the man‘, auch wenn er ja eigentlich der Inbegriff eines Anti-Lehrers ist und immer der Kumpel war,“ so etwa der in Lausanne und Basel lehrende Bassist Bänz Oester. Sein Workshop sei schlicht die Krönung für alle gewesen, die hätten dabei sein dürfen. Von Scherrers Persönlichkeit und – neben seinem eigenen – besonders stark von John Coltrane, Wayne Shorter, Joe Henderson und Mal Waldron geprägten Spirit  können Studierende am Jazzcampus bis heute profitieren.

Oft spielte Scherrer zusammen mit seinem Schulfreund, dem im Frühling 2015 viel zu früh verstorbenen Drummer und TCB-Chef Peter Schmidlin oder mit dem andern grossen Basler, Isla Eckinger (Bass, Posaune, Vibraphon). Bei legendären Gruppen wie dessen Hot Mallets oder auch Magog von Klaus Koenig gehörte Andy selbstverständlich dazu. Heute ist sein Spiel etwa im fantastischen Quartett mit Jean-Paul Brodbeck, Fabian Gisler und Claudio Strüby zu bewundern. Hin und wieder kann man ihn auch mit CoJazz hören, einem Trio mit Stephan Kurmann und (ehemals) Peter Schmidlin, das oft zusammen mit Gästen auftritt und in dem Andy Scherrer  am Piano mit sichtbarem Vergnügen, bescheiden und hingebungsvoll den einfühlsamen, nuancenreichen und perkussiv swingenden Begleiter gibt, als sei es das Selbstverständlichste auf der Welt.

Andy Scherrer sagt im eingangs erwähnten Rüedi-Porträt, er sei ja auch nicht mehr der Jüngste und fühle sich „manchmal als Dinosaurier“ – als Dinosaurier, der Saxophon spielt wie keiner, dessen Musik unter die Haut und direkt in die Seele geht, ist hinzuzufügen.